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Hofheim 

Wickerbach: Vom Bächelchen zum Fluss

10.08.2010 - WALLAU

Burgfest erinnert an Hochwasser

(teko) - „Das Burgfest ist eins der wenigen Straßenfeste, das sich in Wallau gehalten hat“, sagt Ursula Mayer, deren Haus in der Straße „Zur Burg“ steht. Dort fand am vergangenen Wochenende zum 29. Mal die Traditionsveranstaltung „Burgfest“ statt. Doch wo heute die Tische und Bänke stehen und sich die Wallauer zum gemütlichen Plausch treffen, konnte man sich vor 29 Jahren nur noch mit Booten fortbewegen. Ursache dafür war der Wickerbach.

Kein idyllisches Geplätscher

Nur ein paar Zentimeter tief und harmlos wirkend, plätschert das Wasser heute in Wallau den Wickerbach entlang. Dass sich diese Lage auch ganz schnell verändern und bedrohlich werden kann, wissen vor allem alle Wallauer, die sich am 10. August 1981 in Bachnähe aufhielten. Nach tagelangem Regen sammelte sich immer mehr Wasser im Bach, bis er über seine Ufer trat. „Und dann war das Bächelchen plötzlich ein Fluß“, sagt Lothar Manker. Der ehemalige Wallauer Ortsvorsteher erlebte das Hochwasser persönlich mit. „Das alles passierte völlig unerwartet und innerhalb von ein paar Stunden“, berichtet Manker.

Das bestätigt auch Ursula Mayer. „Ursel, es Wasser kemmt“, wurde sie von anderen auf die Fluten aufmerksam gemacht. Doch das half nicht viel. Das Wasser stieg so hoch, dass selbst die Fenster halb unter Wasser standen. „Bei uns im Keller stand das Wasser 1,80 Meter hoch“, erinnert sie sich auch Helga Duchmann. Knapp 300 Feuerwehrleute versuchten damals zu helfen, die Keller auszupumpen. Die Stadt stellte Gebläse zum Trocknen kostenlos zur Verfügung. Dennoch waren auch Tage später noch Spuren des Hochwassers zu sehen. „Wir haben Hochwassersaft getrunken“, schmunzelt Manker. Die Flaschen im Keller verloren ihre Etiketten, und so musste man sich vom Inhalt überraschen lassen.

Außerdem waren die Straßen extrem verschlammt. „Die Wallauer haben sich gegenseitig geholfen, wo es ging“, erzählt Manker. So kam die Idee für ein Helferfest auf. Daraus entwickelte sich eine Tradition.

Einfach nur feiern

Nun findet das Burgfest in Gedenken an das Hochwasser von 1981 zum 29. Mal statt. Dabei sitzen die Wallauer gemütlich zusammen und plaudern.

„Wir wollen kein Geld verdienen, sondern einfach feiern, ohne Musik oder Programm“, erklärt Manker. Im Wechsel richtet die Wallauer Feuerwehr oder die Kerbegesellschaft das Fest aus. In diesem Jahr übenahmen die „Krottebachbouwe“ die Bewirtung. Doch die Vereine werden unterstützt. Das in der Straße angesiedelte Dentallabor stellte die Toilette zur Verfügung, die umliegenden Anlieger den Strom. Doch der Schrecken von damals sitzt einigen Wallauern heute noch im Nacken. „Wenn es lange regnet, habe ich Panik, und wie“, gesteht Ursula Mayer.

Ihre Angst ist nicht ganz unbegründet. Auch heute steigt das Wasser im Bach noch regelmäßig an. Erst vor knapp acht Wochen gab es ein Hochwasser in Wallau. Der Unterschied zu früher ist, dass die Feuerwehr nun vorbereitet ist und schnell reagiert. „Wir haben von abends halb elf bis morgens um sechs Sandsäcke verteilt“, sagt Thomas Raab, stellvertretender Wehrführer. Bei der Feuerwehr gehen bei Dauerregen auch gehäuft besorgte Anrufe ein, so dass der Pegelstand des Baches schnell kontrolliert wird. Dabei sei die Gefahr des Hochwassers leicht einzudämmen.

„Man könnte die Mauern höher ziehen und den Bach weiter ausbaggern, dann würde er nicht überlaufen“, so Raab. „Die Stadt kümmert sich zu wenig, dabei könnte das Problem beseitigt werden“, übt er Kritik. Über Verbesserungen würden sich Wallaus ängstliche Bürger freuen. Ursula Mayer fasst es so zusammen: „Ohne Wasser ist es uns hier lieber.“

Wo heute Tische und Bänke stehen und sich die Wallauer zum gemütlichen Plausch treffen, konnte man sich vor 29 Jahren nur noch mit Booten fortbewegen. Foto: teko

Wo heute Tische und Bänke stehen und sich die Wallauer zum gemütlichen Plausch treffen, konnte man sich vor 29 Jahren nur noch mit Booten fortbewegen. Foto: tekoVergrößern

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