Gesucht: Großer Kumpel für kleine Freunde
07.09.2010 - HOFHEIM
Wer will Mentor bei „Balu und Du“ werden?
(teko) - Einen großen Freund an seiner Seite - den hat Findelkind Mogli in der beliebten Geschichte „Das Dschungelbuch” im Bären Balu gefunden. „Der Bär begleitet und fördert ihn liebevoll“, sagt Ottmar Vorländer, Geschäftsführer des Caritasverbands Main-Taunus: „Solch eine Begleitung in Form eines Paten möchten wir nun auch Hofheimer Kindern ermöglichen.“
Die Caritas Main Taunus und die Katholische Familienbildungsstätte Taunus wollen sich ab Herbst dieses Jahres dem bundesweiten Patenschaftsprojekt „Balu und Du“ anschließen. Dabei werden Kindern im Grundschulalter - den Moglis - Mentoren in Form von jungen Erwachsenen - die Balus - an die Seite gestellt. Die Paare treffen sich ein Jahr lang ein mal wöchentlich für ein paar Stunden und unternehmen gemeinsame Dinge. Die Freizeitgestaltung kann vom Kuchen backen über sportliche Aktivitäten bis hin zu Museumsbesuchen reichen. Ziel ist es den Kindern durch Freundschaft Selbstvertrauen zu schenken.
Bereicherndes erleben
„Es ist ein sozialpädagogisches Projekt der besonderen Art“, findet Caritaschef Vorländer: „Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen etwas Bereicherndes zu erleben, was im Elternhaus vielleicht nicht immer angestoßen werden kann, weil die Eltern mit anderen Sorgen und Nöten zu kämpfen haben.“ Besonders zielt das Projekt auf Kinder ab, die aus verschiedenen Gründen mehr Zuwendung brauchen. Das können Schwierigkeiten sein sich in den Klassenverband zu integrieren oder einfach mangelnde Möglichkeiten mal etwas anderes zu sehen als die eigenen vier Wände. „Eine gute Betreuung oder Hausaufgabenhilfe in Sachen Schule ist nicht alles“, sagt Karola Sterf, Schulleiterin der Heiligenstockschule. Sie wird gemeinsam mit der Pestalozzischule an dem Projekt teilnehmen. „Es fehlt etwas damit die Kinder mehr von der Welt erfahren, einer Welt außerhalb des Schulgeländes“, findet Sterf. Es gäbe Kinder die wenig erleben würden und deshalb nicht viel zu erzählen hätten. Das Projekt könnte dafür sorgen, dass mehr Kinder im Montagmorgenkreis von besonderen Erlebnissen berichten können und nicht von Stunden vor dem Fernseher. „Es geht auch nicht um Hausaufgabenhilfe“, erklärt Regina Book, Erzieherin, Diplom-Psychologin und Koordinatorin des Projekts in Hofheim: „Es soll eine schöne Sache für die Kinder selbst sein, auf die sie sich freuen und die sich dann nur indirekt auf die schulische Leistung auswirkt.“
In Zeiten von Missbrauchsfällen und Überfällen hat das Projekt die Aufgabe Bedenken aus dem Weg zu räumen. Es gilt die Mentoren genau unter die Lupe zu nehmen. „Wir werden ausführliche Vorgespräche führen“, sagt Ellen Steyer, Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte. Außerdem müssen die Mentoren ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Das Projekt wird darüber hinaus eng wissenschaftlich begleitet. Über die wöchentlichen Treffen geben die Mentoren online Berichte ab, bei Fragen stehen ihnen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.
Doch auch bei den Eltern der Moglis sollen gar nicht erst Vorurteile aufkommen. „Ich hoffe sehr, dass das Projekt positiven Anklang findet“, sagt Astrid Czech-Urban, Leiterin der Pestalozzischule. Sie hofft, dass Eltern die Einladung ihres Kindes zum Projekt nicht als Vorwurf verstehen. „Viele Eltern tun sehr viel für ihre Kinder. Sie sollen nicht denken sie machen es nicht gut genug“, betont die Schulleiterin.