„Gebt Eure Träume nicht auf“
06.09.2011 - HOFHEIM
Autorenlesung in der Gesamtschule Am Rosenberg
(red) - Es ist eine besondere Aufgabe, 60 Schüler in den Bann einer Geschichte zu ziehen, die eigentlich nichts mit der eigenen Welt zu tun hat. Da kann eine Lesung vor Schülern für einen Schriftsteller zu einer harten Probe werden. Die Wiener Autorin Lilian Faschinger hat diesen Test jedoch bei ihrer Lesung an der Gesamtschule Am Rosenberg erfolgreich bestanden.
Zwei neunte Klassen des Gymnasialzweiges der Gesamtschule durften gespannt sein auf das, was Faschinger ihnen präsentieren würde. Schließlich war die Schule in diesem Jahre eingebunden in das Literaturfest „Metropolitan - Die erzählte Stadt“. Das Festival der Romanfabrik e.V., ein vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt geförderter Kunst- und Kulturverein, hatte, neben Faschinger, weitere Autoren aus Barcelona, Luanda, NewYork, Paris und Rio de Janeiro nach Frankfurt eingeladen. Ihr gemeinsames Thema: Die Städte, in denen sie leben, die Art, wie verschiedene Menschen ihren Wohnort prägen, und umgekehrt, wie die Städte die dort lebenden Menschen beeinflussen. Gelesen haben die Autoren vom 31. August bis 4. September in der Rhein-Main-Region. Lilian Faschinger stellte in Hofheim ihre Bücher „Stadt der Verlierer“ und „Wiener Passion“ vor. Für „Stadt der Verlierer“ wurde sie 2008 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet - ein Autorenpreis für deutsche Kriminalliteratur.
Aber Literaturpreise sind für Jugendliche aber eher Nebensache. Dass Faschinger die Schüler bis zum Ende dieser Geschichte gefesselt hat, verdankt sie viel mehr der spannenden Personenbeschreibung und ihrem abwechslungsreichen Lesestil mit den schönen Gesangseinlagen. Die Erzählung über einen psychisch gestörten Mann, der Frauen krankhaft ausnutzt und bei einem Spaziergang im Park eine Frauenleiche findet, hat viele Schüler gepackt. „Es ging um die Menschen, das fand ich interessant“, sagt die 14 Jahre alte Alexandra nach der Lesung. Und ihr Deutschlehrer Matthias Röser glaubt, dass diese Neugier der Jugendlichen auf die Erlebnisse anderen Menschen, eine Chance sei, ihnen Literatur näher zu bringen. „Die Schüler sind gerade an Schauplätzen interessiert, die sie nicht kennen und durch solche Lesungen erhalten sie einen authentischen Zugang zur Literatur“, sagt Röser, „sie stellen fest, dass Literatur lebendig ist, den Alltag betrifft und somit durchaus auch sie selbst.“
Der 14 Jahre alte Leon fühlte sich auf diese Weise durch den Roman „Wiener Passion“ angesprochen: „Die Stadt wurde so düster beschrieben, das fand ich spannend“, sagt er, der bisher noch nie eine Autorenlesung erlebt hat. „Ich finde es aber gut, Bücher so einmal anders kennenzulernen. Nicht nur durch eigenes Lesen“, erzählt Leon. Auch die Abwechslung zum normalen Schulalltag, da sind sich Alexandra und Leon einig, ist ein guter Grund für Autorenlesungen. Lilian Faschinger war jedenfalls angetan von den Schülern und der Atmosphäre an der Gesamtschule Am Rosenberg: „Es ist so freundlich und hell hier, es war angenehm, hier zu lesen. Und die Schüler haben viel gefragt“, sagt die Schriftstellerin und Übersetzerin. Wie lange sie für ihre Bücher gebraucht habe, wie sie zu ihren Ideen finde oder ob sie noch mehr Bücher schreiben wolle. Ganz andere Fragen eben, als bei einem erwachsenen Publikum, das meist mehr auf die Inhalte ihrer Geschichten abzielt. „Mit diesen Lesungen motiviert man mindestens einzelne literarisch begabte Schüler, allein dafür lohnt es sich, an einer Schule zu lesen“, sagt Faschinger. An der Gesamtschule Am Rosenberg waren es sicher einige mehr. Und dann hat sie noch eine Botschaft für den Nachwuchs: „Gebt eure Träume nicht auf - unterdrückt sie nicht. Wenn ihr euch wirklich etwas wünscht, kommt ihr irgendwie dort hin.“