Feierlich, meditativ, fröhlich und mystisch
17.08.2010 - HOFHEIM
Drei Tage voller Musikkultur
(ims) - Ein Alphornbläser mitsamt einem echten Alphorn in einer Kirche: Ein seltenes Bild bot sich für die Besucher der St. Peter und Paul Kirche im Rahmen des vierten Interkeltischen Folkfestivals am vergangenen Donnerstag.
Noch seltener war der akutische Genuss, den das große Blasinstrument von Sven Haun in die Hofheimer Kirche brachte, um jeden Abend ein Konzert zu eröffnen. Für das im Moment nicht zugängliche alte Wasserschloss diente die große Stadtkirche dieses Jahr als hervorrangender Ersatz. Den Empfang eines jeden Konzertbesuchers an jedem Abend durch ein Glas Sekt hatte dieses Jahr der Hauptsponsor, die NASPA, übernommen. Höchst feierlich wurde die Atmosphäre am ersten Abend des Interkeltischen Folkfestivals. Durch den halbdunklen Kirchenraum gingen gregorianische Mönche, der Kammerchor „Collegium Philippus Lapis“, zum Altarraum und stellten sich im Halbkreis auf. Chorleiter und Tenor Daniel Sans bat die Zuschauer, nicht zu klatschen während des Auftrittes. Es offenbarten sich schließlich einzigartige Musikerlebnisse. Dafür sorgten nicht nur der Chor.
Da musica Gregorium
Zum Gesang von Hymnen und Messen des 9. bis 15. Jahrhunderts kamen das Flötenspiel der Koreanerin Jung-Hyun Yu und das Lautenspiel des japanischen Kammermusikers Toshinori Ozaki. So zarte und feine Töne, meisterlich gespielte Musik der Renaisance, gingen manchem Zuhör zu Herzen. Die glockenhelle Tenorstimme von Daniel Sans ebenso, einmal begleitet von der Orgel, von der Laute und auch von der Flöte. Ohne Applaus reihten sich geistliche Musik- und Gesangsdarbietungen aneinander, bildeten einen klanglichen Teppich von musikalischer Kostbarkeit. Schließlich betrat Festivalinitiator Thomas Zöller mit drei Dudelsackspielern das Geschehen und setze der himmlischen Akustik die Krone auf. Wer hat schon einmal in einer Kirche gregorianische Gesänge, begleitet von Dudelsackspielern, Laute, Flöte, Orgel und Alphorn gehört!
Alle Instrumente mit den Sängern „unter einen Hut“ zu bringen, war dermaßen gelungen, dass es klang, als gehöre ein Dudelsack zur geistlichen Musik dazu. Gemeinsam als Finale boten die Künstler das Kirchenlied „Nun weicht der Tag“ aus dem 15. Jahrhundert dar, schließlich fielen sogar Orgel und Alphorn mit ein. Was Thomas Zöller musikalisch auf die Beine stellt, ist zwar von dieser Welt, aber irgendwie doch nicht. Sein kreatives musikalisches Zusammenführen der aus dem keltischen Usprung entwickelten Kulturen trifft seit Jahren immer ins Schwarze bei den Zuhörern aber auch den Musikern. Denn die lassen sich auf diese Experimente gerne ein. „Ich bin froh, dass wir einen so schönen Abend miteinander verbringen durften. Dies ist nicht selbstverständlich, sondern ein sehr hohes Gut“, dankte Zöller allen in der Kirche, der Abend war perfekt, die Besucher ergriffen, still und zufrieden. Dem Konzert in St. Peter und Paul war ein sehr unterhaltsamer Programmpunkt, „Der Schädel von Damien Hirst“ im Stadtmuseum vorangegangen, keine Musik sondern originelle Kurzgeschichten.