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Main-Taunus 

Wenn das Baby schreit und schreit...

07.09.2010 - MAIN-TAUNUS-KREIS

MTK richtet Schreibaby-Ambulanz ein - Kostenlose Hilfe

(red) - Der Main-Taunus-Kreis hat eine „SchreibabyAmbulanz“ eingerichtet. Eine Familienhebamme berät dort kostenfrei Eltern, deren Babys mehr als drei Stunden am Tag weinen. „Das ist ein Baustein unseres erweiterten Kinderschutz-Konzepts“, so der Kreisbeigeordnete Michael Cyriax. „Nach einer Weile sind die betroffenen Eltern völlig übernächtigt und ratlos.“ Sie bräuchten frühzeitig Hilfe.

Ansprechpartnerin ist Kathrin Seidl, die die Schreibaby-Ambulanz als offene Sprechstunde leiten wird. Sie hat sich auf dem Gebiet der Emotionellen Ersten Hilfen weitergebildet. Zweimal im Monat wird sie für die Eltern zu sprechen sein. Zunächst erläutert sie Themen wie „Die Kommunikation mit meinem Baby“, „Erschöpfungssyndrom“ oder „Warum weinen Babys?“. Dann haben die Eltern Gelegenheit, Fragen zu stellen. Diese Themenvormittage sind kostenfrei. Wenn die Mütter und Väter allerdings über das Angebot hinaus Einzelgespräche wünschen, müssen sie das individuell vereinbaren und bezahlen.

Nach Angaben von Seidl weint ein so genanntes Schreibaby über viele Stunden, lässt sich kaum trösten, macht sich steif und vermeidet den Blickkontakt. „Das Schreien kann ein Ausdruck dafür sein, dass die Interaktion zwischen Eltern und Kind blockiert ist.“ Meist seien die Eltern auf sich allein gestellt und überfordert. Es sei wichtig, dass sich besonders die Mutter wieder entspannen könne, um die natürlichen Signale ihres Kindes besser wahrzunehmen. Das Konzept haben der Leiter des Sozialen Dienstes, Gert Nötzel, und die Familienhebamme entwickelt. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Zentrum für Primäre Prävention aus Bremen. „Wir werten die Erkenntnisse aus, um das Netz der frühen Hilfen noch enger zu ziehen“, so Nötzel. Ein erster Zwischenbericht solle im Frühjahr vorliegen.

Untergebracht ist die Schreibaby-Ambulanz in den Räumen der Kliniken des Main-Taunus-Kreises. Im Krankenhaus in Bad Soden werden jährlich rund 1 200 Kinder geboren. „Unsere Klinik ist bereits von Unicef als „babyfreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet worden“, führt Dr. Dietrich Mosch aus, der Leiter der Gynäkologischen Abteilung. „Wir legen viel Wert darauf, die Mütter auch vor und nach der Geburt zu begleiten.“ Zu diesem Ansatz passe die neue Ambulanz sehr gut.

Laut Cyriax gehören zum MTK-Kinderschutzkonzept außer der Schreibaby-Ambulanz auch die Familienhebammen, die Mütter vor und nach der Geburt bis zu einem Jahr begleiten, und die Kinderschutzfachkräfte, an die sich besonders Erzieherinnen und Erzieher wenden können. Im Mittelpunkt stehe bei all dem die Krisenprävention und -intervention: „Im vergangenen Jahr sind bei uns 164 Kindeswohlgefährdungsmeldungen eingegangen, von denen sich 143 bestätigt haben. So weit soll es möglichst erst gar nicht kommen.“ Dazu könne der MTK mit seinen Projekten beitragen.

Themenvormittage

Bis zum Jahresende bietet Kathrin Seidl sechs Themenvormittage an. Die nächsten Termine sind: 8. September, 22. September, 20. Oktober, 3. November, 24. November und 1. Dezember. Sie dauern jeweils von neun bis elf Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Zu finden ist Schreibaby-Ambulanz in der Elternschule (gleich neben dem Kreißsaal) im dritten Stock des Bad Sodener Krankenhauses, Kronberger Straße 36, 65 812 Bad Soden. Näheres gibt es im Internet unter www.hebks.de/schreiambulanz, per Telefon (0 61 73) 99 47 37 oder per E-Mail: info@hebks.de.

Michael Cyriax und Kathrin Seidl, die die Schreibaby-Ambulanz als Familienhebamme leitet. Foto: mtk

Michael Cyriax und Kathrin Seidl, die die Schreibaby-Ambulanz als Familienhebamme leitet. Foto: mtkVergrößern

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